Lehrwesen Nachrichten

Davos-Freeride-Seminar 2019

von Gerhard Heimlinger

Davos-Freeride-Seminar 2019Die Begeisterung für das Davos-Freeride-Seminar ist auch im sechsten Jahr ungebrochen, so dass wir diesmal erstmals mit vier Gruppen – einer mehr als bisher – unterwegs sind. Mit dabei sind viele „Wiederholungstäter“ aber auch einige „Erstlinge“. Allen gemeinsam ist die Begeisterung für das sportliche Fahren abseits der Pisten. Beim Hotel setzen wir auf Bewährtes – das Hotel Steinbock in Klosters ist wieder unser Basislager. Wir starten mit leckeren Bündner Spezialitäten bevor es zur offiziellen Lehrgangseröffnung geht. Die vier Guides – Markus, Sherpa, Herbert und Gerhard – begrüßen die Teilnehmer und stimmen sie auf die nächsten beiden Tage ein. Das Theorieprogramm am Freitag ist etwas gedrängter als sonst, da am Samstag ein „Special Event“ auf dem Programm steht. Doch dazu später mehr.

Davos-Freeride-Seminar 2019 - Rider: SherpaWir starten am Samstag bei Traumwetter und winterlichen Bedingungen. Vor dem Vergnügen kommt wie immer das Pflichtprogramm: Ausrüstungscheck, Studium des Lawinenlageberichtes, VS-Geräte-Check und Beurteilung der Situation vor Ort. Der Pulverschnee lockt und somit bleiben wir nicht lange auf der Piste sondern jede Gruppe „verschwindet“ an einer anderen Stelle ins Gelände. Wir fahren Klassiker und neue Varianten. Zwei Gruppen haben die Felle im Rucksack und steigen zur Zenjiflue auf um die Abfahrt über die Nordseite hinunter zur Schwendi zu genießen. Die anderen beiden Gruppen schultern gelegentlich die Ski um die eine oder andere Abfahrtsvariante zu erreichen. Egal welche Route am Schluss gewählt wurde - für alle präsentiert sich der Schnee noch weitgehend unverspurt. Jeder kann seine individuellen Kurven in den Schnee zaubern und beendet den „Run“ mit dem legendären, nicht enden wollenden Grinsen im Gesicht.

Führung SLFWir beenden den Tag etwas früher als üblich, aber nicht wegen der Bedingungen am Berg. Heute steht noch etwas ganz Spezielles auf dem Programm: eine exklusive Führung am SLF – dem Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung – in Davos. Thomas Stucki – einer der führenden Lawinenprognostiker – und Elisabeth Hafner sind unsere Referenten. Nach der obligatorischen „Ton-Bild-Schau“, die uns einen Gesamtüberblick über die Arbeit und Forschung am SLF gibt, geht es in zwei Gruppen ins Detail. Elisabeth gibt uns Einblicke in die Forschungsarbeit – wir lernen, wie Schnee im Labor hergestellt wird, wie aus verschiedenen Schneeproben 3D-Modellen aus dem Drucker entstehen, welche Maßnahmen zur Lawinensicherung im Parsenngebiet errichtet wurden und wie die automatischen Messstationen, die u. a. die Daten für den Lawinenlagebericht liefen, funktionieren. Führung SLFThomas ist zur gleichen Zeit mit der anderen Gruppe in der Lawinenwarnzentrale zugange und erklärt wie aus vielen Daten und noch mehr Fachwissen und Erfahrung Tag für Tag für die gesamte Schweiz das Lawinenbulletin entsteht. Es gibt keine noch so ausgefallene Frage, die von den beiden Experten nicht beantwortet werden kann. Tief beeindruckt verlassen wir nach fast zwei Stunden das Institut. Jetzt haben wir uns das traditionelle Chäsfondue verdient und machen uns einen gemütlichen Abend im Hotel.

Am Sonntag machen wir die Erfahrung, dass zwischen lockerem Pulver und hartem verspurtem Schnee nur ein paar (Nacht-)Stunden liegen können. Jetzt sind die Guides gefordert! Findet sich ganz oben noch nordseitig etwas Pulver oder warten wir auf die ersten Firnhänge – das ist nun die Frage. Mit der richtigen Gebietskenntnis und der Einschätzung von Tageszeit, Hangneigung und -exposition finden wir auch heute die richtigen Hänge für genussvolle Abfahrten.  

Zum Abschluss treffen wir uns noch einmal im Hotel Steinbock, bevor wir mit der Erinnerung an ein sensationelles Wochenende auf die Heimfahrt begeben. Vielen Dank an Euch – ihr wart ein tolles Team und es hat uns riesig Spaß gemacht. Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr mit Euch – wir stellen uns dem „verflixten siebten Jahr“ beim Freeride-Seminar in Davos/Klosters.

Markus, Sherpa, Herbert und Gerhard
und das SVM-Lehrteam

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